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Digitale Medizin – Anforderungen an neue Lösungen

Die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems gilt im weltweiten Vergleich als sehr gut bis solide. Allerdings wird ihm auch ein gewisses Beharrungsvermögen gegenüber Innovation, etwa im Zuge der digitalen Revolution, nachgesagt. Eine Pressekonferenz der etablierten Fachgesellschaft DGIM erlaubt Einblicke in Anforderungen an die digitale Medizin.

 Foto Medizin

Diese Woche war ich bei der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) zum Thema digitale Medizin. Mit mehr als 24 000 Mitgliedern ist die DGIM eine der größten wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland und vertritt die Interessen der gesamten Inneren Medizin. Neueste Forschungserkenntnisse für Ärztinnen und Patienten zugänglich zu machen ist ein zentrales Anliegen der Gesellschaft. Auch für die Innere Medizin bietet die Digitalisierung große Potentiale.

Die DGIM will das Thema digitale Medizin daher in den nächsten Jahren gezielt angehen und dazu informieren, sensibilisieren, motivieren und fortbilden. Während der Pressekonferenz wurde auch deutlich, welche Anforderungen aus Sicht einer etablierten ärztlichen Fachgesellschaft an die digitale Medizin gestellt werden:

Gesicherte Qualität

Digitale Lösungen müssen eine gesicherte, nachvollziehbare Qualität aufweisen. Eine Studie des British Medical Journal zeigt beispielsweise, dass Online-Portale bisher keine zuverlässige Deutung von Beschwerden per Ferndiagnose leisten können und unterstreicht somit die Bedeutung des persönlichen Arzt-Patienten-Kontaktes. Auch die Notwendigkeit der systematischen wissenschaftlichen Evaluierung von Apps und Gesundheitsportalen wird hier deutlich.

Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit

Eine weitere Anforderung an Lösungen der digitalen Medizin wie etwa Messgeräte ist die zuverlässige Reproduzierbarkeit von Messergebnissen. Auch sollte eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse von Geräten unterschiedlicher Hersteller angestrebt werden. Möglicherweise können Gütesiegel hier einen Beitrag leisten.

Digitale Technik als Unterstützung statt als Ersatz des Arztes

Zudem betonten die Vertreter der DGIM, dass auch in Zukunft digitale Medizin den Arzt nicht ersetzen wird, sondern bisher geltende Grundbeziehungen (z.B. bestehende Offline-Arzt-Patientenbeziehung und Facharztstandard) weiter gelten sollen. Auch die Ersetzbarkeit der ärztlichen Diagnose an sich, etwa durch Online-Tools, ist schwer vorstellbar. Ein Anwendungsfeld von digitalen Lösungen ist das die Ärztin unterstützende und von Ärztinnen ausgewertete Monitoring chronischer Erkrankungen.

Zielgruppengerechte Benutzerfreundlichkeit

Bei der Erstellung von digitalen Lösungen ist eine Orientierung an Bedürfnissen von spezifischen Zielgruppe erforderlich. Beispielsweise ist bei der Gestaltung von Angeboten für Senioren zu berücksichtigen, dass den Nutzerinnen eventuell nur eine eingeschränkte Sehfähigkeit bei der Bedienung zur Verfügung steht.

 

Diese Ansätze sind gut nachvollziehbar und es ist davon auszugehen, dass deren Beachtung Akzeptanz, Implementierung und Verbreitung von Digital Health-Lösungen maßgeblich erleichtern kann!

 

Bildquelle: pixabay.com

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