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Warum manche Kooperationsvorhaben im Gesundheitswesen nur langsame Fortschritte machen

„Zusammen schaffen wir alles“ – das hört sich erst mal gut an. Aber leider erfüllen nicht alle organisationsübergreifenden Kooperationen im Gesundheitswesen die anfangs an sie gestellten Erwartungen…

Schnecke

 

Vorteile durch Kooperationen im Gesundheitswesen

Die heutige Gesundheitsversorgung erfordert mehr und mehr Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg – z.B. im Rahmen von Selektivverträgen, in Ärztenetzen oder Einkaufskooperationen. Dabei arbeiten im Idealfall verschiedene Partner, z.B. niedergelassene Haus- und Fachärzte, Krankenhäuser und Physiotherapeuten, eng zusammen. Aber auch junge Startups gehen zunehmen Kooperationen mit etablierten Gesundheitsorganisationen wie Krankenkassen oder Pharmaunternehmen ein. Sie alle streben die Realisierung von sog. Kooperationsvorteilen – etwa die Erzielung von Synergieeffekten, den Austausch von Wissen und gemeinsame Qualitätsverbesserungen – an.  Aber leider funktionieren diese Kooperationen oft nicht so gut wie erhofft.

Gründe für eine eher schleppende Zusammenarbeit

Die Wirtschaftswissenschaftlerinnen Chris Huxham und Siv Vangen sind der Frage nachgegangen, was eine gezielte Zusammenarbeit zwischen Organisationen hemmen kann. Die Folge ist dann das Auftreten einer so genannten „Kooperationsträgheit“: Kooperationsvorhaben geraten ins Stocken, die Kooperationspartner sind frustriert und die Kooperationsergebnisse bleiben mager.

Zu den Stolpersteinen von Kooperationsvorhaben zählen:

  1. Fehlende gemeinsame Ziele bzw. im Konflikt stehende Ziele der Partner
  2. Fehlendes Vertrauen zwischen den Kooperationspartnern
  3. Kein oder fehlgeleitetes Kooperationsmanagement
  4. Kommunikations- und Abstimmungsprobleme
  5. Unterschiedliche Organisationskulturen, Prozesse und Fachsprachen
  6. Komplexe und unübersichtliche Konstellationen der Kooperationspartner
  7. Angst vor Macht- und Unabhängigkeitsverlust durch die Kooperation

Diese Stolpersteine können auch bei Kooperationen zwischen Organisationen der Gesundheitsversorgung auftreten. Beispielsweise benötigt die Aushandlung von klaren Kooperationszielen oft viel Zeit und auch oft erwähnte Schwierigkeiten bei der Überwindung von Sektorengrenzen könnten u.a. mit unterschiedlichen Fachsprachen und Berufskulturen in Verbindung stehen.

Die Forscherinnen betonen übrigens, dass ein bewusster Umgang mit diesen „Kooperationsbaustellen“ Hemmnisse der Zusammenarbeit gar nicht erst auftauchen lassen oder aus dem Weg räumen kann. Das (frühzeitige) Beachten dieser Bereiche kann vielleicht auch einige Gesundheitskooperationen auf einen guten Weg bringen!

Zu den wissenschaftlichen Beiträgen

Huxham, C. 2003. Theorising collaboration practice. Public Management Review, 5(3): 401–423.

Huxham, C., & Vangen, S. 2005. Managing to collaborate. The theory and practice of collaborative advantage. London: Routledge.

Bildquelle: pixabay.com

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