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Telemedizin & Gesundheitsapps – und was niedergelassene Ärzte davon halten

Wie stehen eigentlich Ärzte zur Nutzung von Telemedizin, der Anwendung von Gesundheitsapps und Gesundheits-Startups?

Die Stiftung Gesundheit befragt jährlich niedergelassene Ärztinnen, Zahnärzte und Psychologische Psychotherapeutinnen zum „Zukunftsmarkt Gesundheit“ und veröffentlicht die Ergebnisse in Form einer Studie (ÄiZG). Ich habe zusammengefasst, was für Informationen die aktuelle Umfragerunde aus dem Jahr 2014 für den Bereich Digital Health liefert.

Telemedizin und E-Health – eher kein Verbesserungspotential erwartet

Mediziner stehen laut der Befragung telemedizinischen Anwendungen eher skeptisch gegenüber: Nur 7% sehen ein Potential zur Verbesserung der medizinischen Versorgung ihrer Patienten, während 50,3% kein bzw. eher kein Verbesserungspotential sehen. 19,5% der Befragten gaben sich positiv optimistisch, während die restlichen 23,2% das Potential der Telemedizin als noch nicht absehbar bewerten.

ÄiZG 2014 - Verbesserungspotential durch Telemedizin

65,4% der niedergelassenen Ärzte haben sich schon mal mit Telematik bzw. Telemedizin beschäftigt, davon 37,8% „am Rande“. 34,6% der Befragten gaben an, sich noch nie mit Telemedizin beschäftigt zu haben. Übrigens stehen Ärztinnen in ländlichen Gebieten der Telemedizin etwas aufgeschlossener gegenüber als ihre Kollegen in der Stadt.

Gründe gegen die Nutzung telemedizinischer Angebote – Arzt-Patienten-Beziehung und Datenschutz

Die Studie gibt auch Aufschluss darüber, welche Gründe aus Sicht der befragten Ärzte gegen die Nutzung telemedizinischer Angebote sprechen: Für 57% entspricht die Nutzung von Telemedizin nicht ihrer Vorstellung der Arzt-Patienten-Beziehung. 43,6% äußerten datenschutzrechtliche Bedenken, während 28,2% angaben, nicht die technischen Voraussetzungen (Geräte/Fähigkeiten) zur Nutzung telemedizinischer Angebote zu haben. 23,5% der Befragten können zudem Telemedizin nicht abrechnen. 22,1% geben an, dass die Technik wohl noch nicht ausgereift sei (Datenqualität, Übertragungsgeschwindigkeit). Lediglich 4% fürchten, durch die Nutzung telemedizinischer Angebote Patienten zu verlieren.

Apps in der Patientenbehandlung aus Sicht der Ärzte – ein Drittel optimistisch

33,7% der befragten Ärztinnen können sich vorstellen, in Zukunft durch Gesundheits-Apps erhobene Daten regelmäßig bei der Behandlung ihrer Patienten zu nutzen. 13,5% fänden dies zwar schön, rechnen aber nicht mit einer Durchsetzung entsprechender Modelle. Und 52,9% der Ärzte sind skeptisch: 37,1% glauben, eine Nutzung von App-Daten im Rahmen des Arztbesuches wird sich nicht durchsetzen, 9,6% halten eine Umsetzung für ausgeschlossen und 6,2% zweifeln an der technischen Machbarkeit.

Gesundheits-Apps an Patienten empfehlen – bisher noch nicht durchgesetzt

Entsprechend selten erfolgt auch die Empfehlung von Gesundheits-Apps oder Webseiten an Patienten: 1,7% sprechen solche Empfehlungen gegenüber vielen Patienten aus, 23,2% nur gegenüber ausgewählten Patienten. Dies ist vor allem angesichts der Tatsache, dass nicht alle Patienten entsprechend technik- und internetaffin sind, nachvollziehbar. 57,6% der Befragten gaben an, sich noch nicht mit dem Thema auseinander gesetzt zu haben. 17,5% lehnen die Empfehlung entsprechender Angebote an Patienten sogar grundsätzlich ab, wobei hier der Anteil der Telemedizin-Gegener fast dreimal so hoch ist wie in den anderen Gruppen.

Das Interesse von Patienten an Apps aus Sicht der Ärzte – eher gering

Keiner der befragten Ärzte gab an, dass Patienten häufig bzw. täglich nach hilfreichen Apps als Teil ihres Heilungsprozesses fragen. 6,8% der Ärzte werden ab und zu bzw. einmal pro Woche befragt, während sich bei 93,2% der Ärzte Patienten nur in Ausnahmefällen nach Apps erkundigen. Zugrunde liegen könnte sowohl die Tatsache, das technikaffine Patienten selbst nach entsprechenden Angeboten suchen als auch das Ärzte möglicherweise nicht als Experten für entsprechende Apps wahrgenommen werden.

Kanäle der ärztlichen Informationsbeschaffung – Kollegen, Bücher und online

Wenn Ärzte im Rahmen der Patientenbehandlung nach medizinischen Informationen suchen, konsultiert ein Großteil Kollegen (86,9%) oder gedruckte medizinische Fachliteratur (85,8%). 68,2 % recherchieren z.B. Google oder Wikipedia allgemein im Internet, 41% nutzen spezielle Recherchenportale wie Medline oder Cochrane Collaboration, Online-Ärzteportale (23%) und kostenpflichtige Online-Angebote (10,4%). Nur 3,8% nutzen spezielle „Arzt-Apps“. Übrigens – d.h. abseits der Studie: Die Handys vom klinischem Personal stehen im Verdacht als Keim-Überträger zu fungieren!

Niedergelassene Ärzte und Startups – bisher wenig Kontakt

Startups haben bei Ärzten bislang keinen signifikanten Bekanntheitsgrad erlangt. Lediglich 8% der Befragten konnten eine innovative Neugründung im Gesundheitssektor benennen. Dazu passend gaben nur 6,6% der Niedergelassenen an, schon einmal von einem Startup angesprochen worden zu sein, z.B. wegen der Möglichkeit einer konsultatorischen Mitwirkung. Dafür könnten sich immerhin 44,4% der Ärzte vorstellen, an einem Startup – z.B. als medizinischer Berater – mitzuwirken. Investitionen kommen für 24% der Befragten in Frage. Die Investitionsbereitschaft unterscheidet sich dabei deutlich: 57,4% ziehen eine geringfügige Investition in Erwägung (bis zu einem Monatseinkommen), 31,9% können sich eine substantielle Investition vorstellen (bis zum sechsfachen Monatseinkommen) und 10,6% würden auch erheblich investieren (mehr als das sechsfache Monatseinkommen).

Praxismarketing online? Online!

Für die Mehrheit der befragten Ärztinnen (73,9%) ist das Internet die wichtigste Marketing-Maßnahme, genauer die eigene Praxis-Homepage (51,4%) sowie die Eintragung in Internet-Verzeichnisse. Danach folgt Marketing durch Praxismitarbeiter und die klassischen Visitenkarten. Inzwischen haben fast alle Praxen einen eigenen Internetauftritt, der teilweise auch für Online-Terminvereinbarungen und -Rezeptanforderungen genutzt wird.

Hier geht es zur kompletten Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2014“ der Stiftung Gesundheit. Teilgenommen haben übrigens insgesamt 385 Ärzte, Zahnärztinnen und Psychologische Psychotherapeuten.

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