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Zu Besuch beim ersten Think Camp der Stiftung Münch – Vergütungsmodelle in Netzwerken

Beim Think Camp der Stiftung Münch ging es um professionellen Austausch und die Entwicklung von neuen Vernetzungsideen im Gesundheitswesen.

Think Camp Stiftung MünchQuelle: Stiftung Münch/Sylvia Willax

Eine organisationsübergreifende Vernetzung von Leistungserbringern hat das Potential, die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern, z.B. durch eine bessere Abstimmung und/oder einen nahtlosen Übergang zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Damit einher geht das Ideal, dass sich so auch Kosten für das Gesamtsystem verringern lassen, von deren Einsparung wiederum alle profitieren. Eine klassische Win-Win Situation also – zumindest in der Theorie. Allerdings zeigt sich, dass dies in der Praxis oft nicht so einfach ist. Die Anzahl der langfristig erfolgreichen Gesundheitsnetzwerke in Deutschland ist trotz inzwischen rund 15jähriger mehr oder weniger systematischer Förderung überschaubar geblieben. Eine Herausforderung für die Einrichtung und den Betrieb solcher Netzwerkstrukturen ist die Notwendigkeit ihrer langfristigen Finanzierung. Insofern benötigt jedes Netzwerk – neben einer angemessenen Startfinanzierung – ein tragfähiges Geschäfts- bzw. Vergütungsmodell.
Dieses Thema hat das erste Think Camp der Stiftung Münch aufgegriffen, das vom 16. bis 18. September 2016 in Hamburg stattgefunden hat. Die Stiftung Münch wurde 2014 von Eugen Münch, dem Gründer der Rhön Klinikum AG, ins Leben gerufen und engagiert sich angesichts wandelnder Rahmenbedingungen im Gesundheitssektor für eine flächendeckende, optimale Gesundheitsversorgung, die nicht durch Rationierungen eingeschränkt wird. Die Vision und das unternehmerische Konzept der „Netzwerkmedizin“  soll dabei eine bezahlbare, hochqualitative und integrierte Gesundheitsversorgung ermöglichen. Vor diesem Hintergrund möchte die Stiftung neue Gedanken und ihre Umsetzung im Gesundheitssektor bewusst fördern – z.B. auch durch die gezielte Unterstützung von Forschungsarbeiten oder Health Care Start-ups. Auch die Ausrichtung des erstmalig stattfindenden Think Camps (für Netz.Werk.Macher…) passte zu diesen Ziel:  15 Nachwuchsführungskräfte und NachwuchswissenschaftlerInnen kamen mit erfahrenden Gesundheitsexperten zusammen, um gemeinsam neue Ideen für Vergütungsmodelle von Gesundheitsnetzwerken zu entwickeln. Ich finde dieses Thema auch sehr spannend und durfte dabei sein.
Der Workshop startete mit einem Vortrag von Prof. Boris Augurzky, der das Konzept der Netzwerkmedizin vorstellte. Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung Deutschlands, erläuterte eine vertragsärztliche Sicht auf Netzwerk-Vergütungsmodelle. Dr. Christian Peters vom AOK Bundesverband ergänzte am nächsten Tag die Kassenperspektive, während mit Dr. Helmut Hildebrandt von Optimedis ein ausgewiesener Experte für die langfristig erfolgreiche Implementierung von Gesundheitsnetzwerken gewonnen werden konnte, der seine Erfahrung als Netzwerkmanager und Gesundheitswissenschaftler beisteuerte. Danach hatten die TeilnehmerInnen Gelegenheit, in kleinen Gruppen Ideen für zukünftige Vergütungsmodelle in Netzwerken zu entwickeln und dazu Feedback von den Vortragenden einzuholen. Am nächsten Morgen wurden die Ergebnisse dann vorgestellt und in größerer Gruppe mit Dr. Christoph Staub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, diskutiert. Aufgrund eines begrenzten Zeitraums zur Entwicklung der Ideen hatten diese in erster Linie den Charakter allgemeiner Skizzen, die allerdings alle die Wichtigkeit von digitaler Vernetzung – z.B. durch gut abgestimmte organisationsübergreifene IT-Systeme zum Patientendatenaustausch sowie die Nutzung von Apps und Algorithmen zur Unterstützung von Diagnose und Therapie – hervorhoben.
Was nehme ich mit vom Think Camp der Stiftung Münch? Auf jeden Fall die positive Erfahrung, viele neue Gesichter mit einem Background im Gesundheitssektor und unterschiedlichen Wissensschätzen kennen gelernt zu haben, mit denen man Dinge mit verschiedenen Sichtweisen neu durchdenken konnte. Sehr schön fand ich auch, dass der Workshop an sich einen Vernetzungscharakter hat der dazu beitragen kann, neue Wege der Gesundheitsversorgung zu entdecken und zu beschreiten. Ich konnte auch inhaltlich noch einiges über die Versorgungsstrukturen in Deutschland lernen und Ideen für meine eigene Forschung weiterentwickeln, die z.B. die Gestaltung von Netzwerk-Geschäftsmodellen betreffen. Einige Fragen sind allerdings auch offen geblieben, z.B. die, wie tatsächlich ein nachhaltiger flächendeckender Wandel der Gesundheitsversorgung in Deutschland – hin zu mehr Integration und Vernetzung – erfolgen kann. Wie kann beispielsweise eine notwendige kritische Masse von Akteuren überzeugt werden, ein Konzept wie das der „Netzwerkmedizin“ auch wirklich praktisch zu erproben?
Veranstaltungen wie diese leisten sicher einen wichtigen Beitrag auf diesem Weg. Und die gute Nachricht ist: Es sind noch mehr Think Camps geplant!

Ein Kommentar zu “Zu Besuch beim ersten Think Camp der Stiftung Münch – Vergütungsmodelle in Netzwerken

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